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Was ist MCP? Das Model Context Protocol für Unternehmen erklärt

Was ist MCP? Das Model Context Protocol für Unternehmen erklärt
Michael Jauk

Wer mit Claude, ChatGPT oder Microsoft Copilot arbeitet, stößt früher oder später auf drei Buchstaben: MCP. Der Softwareanbieter wirbt mit einem „MCP-Server“, die IT soll ihn „anbinden“, und niemand erklärt so richtig, was das eigentlich ist.

Was ist MCP?

Für die Geschäftsführung: MCP ist ein Konnektor. Er lässt KI-Assistenten wie Claude, ChatGPT oder Copilot auf die Daten anderer Systeme zugreifen, etwa auf das ERP, das CRM oder die Buchhaltung.

Für die IT: MCP ist eine Schnittstelle wie eine REST-API, aber speziell für KI-Agenten gebaut.

Ausgeschrieben heißt MCP Model Context Protocol. Anthropic hat den Standard Ende 2024 veröffentlicht. Seit Dezember 2025 gehört er der Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation, die Anthropic, Block und OpenAI gemeinsam gegründet haben. MCP ist damit ein offener Standard und gehört keinem einzelnen KI-Anbieter.

Was ist ein MCP-Server?

Ein MCP-Server ist das Stück Software, das ein System für KI-Assistenten öffnet. Er bietet laut Spezifikation drei Dinge an:

  • Werkzeuge (Tools): Funktionen, die die KI aufrufen darf, zum Beispiel „Kunden suchen“ oder „Rechnung anlegen“.
  • Ressourcen: Daten und Dokumente, die die KI lesen kann.
  • Prompts: vorbereitete Abläufe, die Nutzer auswählen können.

Auf der anderen Seite steht der MCP-Client, also die KI-Anwendung: Claude, ChatGPT, Copilot oder ein eigener Agent. Der Client fragt den Server, welche Werkzeuge es gibt, und die KI entscheidet im Gespräch, welches sie braucht.

MCP-ClientKI-AnwendungClaude, ChatGPT, Copilot oder eigene Agenten
MCP
MCP-ServerDer KonnektorWerkzeuge, Ressourcen, Prompts
API
Ihre SystemeSoftware und DatenERP, CRM, Buchhaltung, Fachsoftware
So arbeiten KI-Anwendung, MCP-Server und Ihre Systeme zusammen.

Und was ist der Unterschied zu einer API?

Die meisten MCP-Server bauen auf einer bestehenden API auf. Der Unterschied liegt darin, für wen die Schnittstelle gemacht ist:

  • Eine API ist für Entwickler gebaut. Jemand liest die Dokumentation und programmiert eine Integration, für jedes Programm aufs Neue.
  • Ein MCP-Server ist für KI-Modelle gebaut. Er beschreibt seine Werkzeuge so, dass das Modell selbst versteht, wofür sie da sind. Und weil MCP ein Standard ist, funktioniert derselbe Server mit Claude, ChatGPT und Copilot, ohne eigene Integration pro Anwendung.

Ohne MCP

9 eigene Integrationen

ClaudeERPChatGPTCRMCopilotDMS

Mit MCP

3 MCP-Server

ClaudeMCPERPChatGPTMCPCRMCopilotMCPDMS

Standard, keine eigene Integration

Ohne Standard braucht jede Kombination aus KI-Anwendung und System eine eigene Integration. Mit MCP braucht jedes System einen Server, und jede KI-Anwendung kann ihn nutzen.

Laut Anthropic unterstützen unter anderem ChatGPT, Gemini, Microsoft Copilot, Cursor und Visual Studio Code den Standard.

Die Fragen Ihrer IT

Wir setzen MCP selbst produktiv ein: Über einen MCP-Server verbinden Kunden Claude, ChatGPT oder Copilot mit NetCero, einer ESG-Plattform, an der dectria beteiligt ist. Wenn ein Kunde die Anbindung plant, stellt seine IT fast immer dieselben Fragen. Hier sind sie, mit den Antworten.

Müssen wir den MCP-Server installieren?

Das hängt davon ab, wie er gebaut ist. Die Spezifikation kennt zwei Varianten:

  • Lokal (stdio): Der Server läuft als Programm auf dem Rechner der Nutzerin und wird vom KI-Client gestartet. Das ist bei Entwicklerwerkzeugen und vielen Open-Source-Servern üblich. Die Zugangsdaten, oft ein API-Schlüssel, liegen dann in einer Konfigurationsdatei auf diesem Rechner.
  • Entfernt (Streamable HTTP): Der Anbieter betreibt den Server, Sie tragen nur eine Adresse im KI-Client ein. Installiert wird nichts. Die Anmeldung läuft über ein Browserfenster mit dem eigenen Konto.

Lokal (stdio)

Rechner der Nutzerin

KI-Anwendung
MCP-ServerAPI-Schlüssel in einer Konfigurationsdatei
Ihre Software

Auf jedem Rechner installiert

Entfernt (Streamable HTTP)Empfohlen

KI-AnwendungAnmeldung im Browser mit dem eigenen Konto

Beim Anbieter

MCP-Server
Ihre Software

Nur die Adresse eintragen

Der MCP-Server läuft entweder auf dem Rechner der Nutzerin oder beim Anbieter.

Für den Einsatz im Unternehmen ist Streamable HTTP der aktuelle Stand. Nur für diese Variante beschreibt die Spezifikation eine Anmeldung über OAuth mit dem eigenen Konto, der ältere Weg über SSE ist abgelöst, und Microsoft Copilot Studio unterstützt nur Streamable HTTP. Bei Software-as-a-Service ist sie ohnehin die Regel. Fragen Sie den Anbieter trotzdem, wo der Server gehostet ist, so wie Sie es bei der Software selbst tun würden.

Wohin fließen unsere Daten?

Hier lohnt sich ein genauer Blick, denn es gibt zwei Stellen:

  1. Der MCP-Server liefert nur die Daten, die ein Werkzeug zurückgibt. Er entscheidet, was die KI überhaupt sehen kann.
  2. Die KI-Anwendung verarbeitet diese Daten. Was der Server zurückgibt, landet im Gespräch mit Claude, ChatGPT oder Copilot und wird dort vom jeweiligen Modell verarbeitet.
Ihre Software
Daten
1MCP-Server
Daten
2KI-AnwendungModell beim KI-Anbieter

1MCP-Server: Entscheidet, was die KI überhaupt sehen kann

2KI-Anwendung: Verarbeitet die Daten: Vertrag, Standort und Training prüfen

Zwei Stellen entscheiden über Ihre Daten: der MCP-Server und die KI-Anwendung.

Die Datenschutzfrage stellt sich also vor allem beim KI-Client: Welcher Vertrag gilt, wo werden die Daten verarbeitet, werden sie fürs Training verwendet? Beim oben genannten Server zum Beispiel läuft keine KI beim Anbieter. Die Verarbeitung passiert in der KI-Anwendung des Kunden, der Server stellt nur die Schnittstelle bereit. Für einige verbreitete Programme haben wir die Antworten der Hersteller im MCP-Verzeichnis gesammelt.

Sieht die KI dann alle Daten?

Nein, wenn der Server richtig gebaut ist. Mit Anmeldung über OAuth meldet sich jede Person mit ihrem eigenen Konto an, und die KI sieht nur, was diese Person auch in der Software sehen darf. Die Spezifikation verlangt außerdem, dass ein MCP-Server nur Zugriffstokens akzeptiert, die für ihn ausgestellt wurden.

Vorsicht bei Servern, die mit einem gemeinsamen API-Schlüssel arbeiten: Dann hat die KI die Rechte dieses Schlüssels, egal wer gerade fragt.

Muss jeder Nutzer einzeln eingerichtet werden?

In der Regel nicht. Die Verbindung wird einmal zentral eingerichtet, etwa als Agent in Copilot Studio. Jede Person meldet sich dann beim ersten Aufruf einmal mit ihrem eigenen Konto an.

Was passiert, wenn jemand das Unternehmen verlässt?

Wird das Konto in der Software oder im Identity Provider (zum Beispiel Microsoft Entra ID) deaktiviert, ist keine neue Anmeldung mehr möglich. Bereits ausgestellte Zugriffstokens gelten aber bis zu ihrem Ablauf. Fragen Sie den Anbieter, wie lange Zugriffs- und Refresh-Tokens gültig sind und ob er sie sofort widerrufen kann.

Kostet das extra?

MCP selbst ist ein offener Standard und kostet nichts. Kosten entstehen an anderen Stellen: für die Lizenzen der KI-Anwendung, gegebenenfalls für den MCP-Zugang beim Softwareanbieter und für die Einrichtung. Manche Anbieter rechnen KI-Zugriffe nach Verbrauch ab, Salesforce zum Beispiel. Wo ein Hersteller das schreibt, steht es im Verzeichnis dabei.

Der Stolperstein: Microsoft Copilot Studio

In Claude und ChatGPT verbinden Sie einen entfernten MCP-Server mit seiner Adresse und einer Anmeldung im Browser. Bei Microsoft Copilot Studio sind mehr Schritte nötig, und dort hakt es erfahrungsgemäß am häufigsten. Was wir dabei gelernt haben:

  • Den Assistenten nutzen, keinen Custom Connector. Microsoft empfiehlt selbst den MCP-Assistenten im Agenten unter „Tools“. Ein Custom Connector mit Status „Bereit“ ist erst die Registrierung. Daten fließen erst, wenn der Server als Werkzeug an einem Agenten hängt und eine Verbindung angelegt ist.
  • Die Data Policies prüfen. Copilot Studio bindet MCP-Server über Power-Platform-Connectors an. Wenn eine Data Policy die Connectors regelt, braucht es die Freigabe der Power-Platform-Administration.
  • Nach einem Fehlversuch neu anlegen. Hängt die Verbindung in einem Fehlerzustand fest, hilft oft nur, sie zu löschen und neu zu erstellen.
  • Die Anmeldung muss zum Tenant passen. Mit der Option „Dynamic discovery“ registriert sich Copilot Studio beim Verbinden automatisch beim Anmeldedienst des Anbieters. Lehnt dieser den Microsoft-Tenant ab, kommt eine Fehlermeldung wie 403 insufficient_scope. Das muss der Anbieter beheben, nicht Ihre IT.

Planen Sie für die erste Anbindung an Copilot deshalb einen gemeinsamen Termin mit dem Anbieter ein.

Hat meine Software einen MCP-Server?

Das ist meist die erste praktische Frage. Ob es für BMD, DATEV, Personio, Business Central oder HubSpot einen offiziellen Server gibt, einen aus der Community oder gar keinen, haben wir im MCP-Verzeichnis an den Quellen der Hersteller geprüft.

Gibt es keinen, ist das kein Endpunkt. Hat die Software eine API, lässt sich ein eigener MCP-Server darauf bauen. Und auch für Systeme ohne API kann ein MCP-Server als Adapter dienen, mit eng geschnittenen Werkzeugen statt direktem Datenbankzugriff. Wie wir dabei vorgehen, steht auf unserer Seite zu MCP-Servern.

Häufige Fragen

Ist MCP sicher?

Für entfernte Server beschreibt MCP eine Anmeldung über OAuth, Pflicht ist sie aber nicht. Die Sicherheit hängt deshalb an der Umsetzung: welche Werkzeuge der Server anbietet, welche Rechte gelten und ob schreibende Aktionen eine Bestätigung brauchen. Die Spezifikation nennt als Grundsatz, dass die KI-Anwendung vor jedem Werkzeugaufruf die Zustimmung des Nutzers einholt. Durchsetzen kann das Protokoll das selbst nicht.

Darf der MCP-Server alle Daten an die KI geben?

Nicht unbedingt. Neben dem Datenschutz können Lizenzen eine Rolle spielen. Manche lizenzierten Datenbanken erlauben die Nutzung in KI-Anwendungen nur mit Zustimmung des Lizenzgebers. Der MCP-Server ist die Stelle, an der man solche Daten zurückhält.

Brauche ich MCP, wenn ich nur ChatGPT nutze?

Nur, wenn ChatGPT mit Ihren eigenen Systemen arbeiten soll. Für Texte, Recherche oder hochgeladene Dateien braucht es kein MCP. Sobald der Assistent auf aktuelle Daten im ERP, CRM oder einer Fachsoftware zugreifen soll, ist MCP der Standardweg.

Fragen Ausschreibungen schon nach MCP?

Wir sehen es bereits. In einer Softwareauswahl wollte der IT-Fragebogen eines Kunden wissen, ob sich die Daten in Copilot, Azure AI oder eigenen KI-Lösungen nutzen lassen. Ein MCP-Server ist eine direkte Antwort darauf.

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